Jahrestage

17. September 1939

Katyn: Das Verbrechen und seine Opfer


17. September 1939


Der Film Katyń (dt.: Das Massaker von Katyn) des polnischen Regisseurs Andrzej Wajda kam 2007 in die Kinos. Die ersten Einstellungen des Films zeigen die Begegnung zweier polnischer Flüchtlingsströme, die sich auf einer Eisenbahnbrücke aufeinander zu bewegen. Es war der 17. September 1939. Ein Teil der Polinnen und Polen floh nach Osten vor Hitlers Deutschen, die Polen zwei Wochen zuvor überfallen hatten. Die Kolonne in der Gegenrichtung versuchte sich vor der Roten Armee zu retten. Die Sowjetunion war Polen in den Rücken gefallen, das sich verzweifelt den Deutschen entgegenstemmte. Der sowjetisch-polnische Nichtangriffsvertrag war Stalin nicht das Papier wert, auf dem er geschrieben stand. 


Das geheime Zusatzprotokoll des als Hitler-Stalin-Pakt bekannten Abkommens zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion, erst knapp einen Monat zuvor am 23. August in Moskau unterzeichnet, hielten die Invasoren penibel ein. Darin hatten die beiden totalitären Regime nicht nur Polen, sondern das ganze östliche Europa in Einflusssphären aufgeteilt. Der Ostteil Polens fiel der UdSSR zu, der westliche dem nationalsozialistischen Deutschland. Die beiden Diktaturen hatten sich getroffen. 


Die sowjetische Führung erklärte den Einmarsch zum Befreiungsfeldzug. Ziel war es angeblich, die Sicherheit der in Ostpolen lebenden Ukrainer und Belarusinnen zu gewährleisten. Das war natürlich ebenso eine Lüge, wie heute die Behauptung von Putins Russland, im Osten der Ukraine die russischsprachige Bevölkerung zu schützen. Historische Kontinuitäten. Die Sowjetmacht brachte bis dato beispiellose Repressionen über Polen. Sondereinheiten des NKWD, Vorläufer des KGB, begannen entsprechend sofort, die besetzten Gebiete nicht nur von polnischer Verwaltung und Militär zu säubern, sondern auch von den dortigen ukrainischen und belarussischen gesellschaftlichen Organisationen. Die sowjetische Besatzung zielte auf die Zerstörung der sozialen Strukturen der gesamten Gesellschaft: ihrer Elite, ihrer Kultur, ihrer Erinnerung.


Memorial hat über mehrere Jahrzehnte gemeinsam mit dem polnischen Zentrums Karta das Schicksal von den über 22.000 polnischen Kriegsgefangenen erforscht und dokumentiert, die 1940 auf Befehl der sowjetischen Führung in der UdSSR erschossen wurden. Name für Name, Biographie für Biographie sind heute in mehreren Erinnerungsbüchern nachzulesen. Dieses Verbrechen des stalinistischen Regimes ist weithin als Massaker von Katyn bekannt geworden, benannt nach dem Dorf Katyń bei Smolensk, in dessen Nähe eines der Massengräber mit ermordeten Polinnen und Polen entdeckt wurde. 


Die Ermordung der polnischen Offiziere ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Über eine halbe Million polnische Staatsangehörige aller Nationalitäten, wurden aus den besetzten Gebieten nach Sibirien und Nordkasachstan deportiert. Ein großer Teil von ihnen, darunter zahlreiche Frauen, Kinder und Eltern von Opfern des Massakers, genau an jenem 13. April 1940, an dem die Offiziere per Genickschuss hingerichtet wurden. Rund 150.000 dieser Zivilisten sind auf dem Weg zum Verbannungsort umgekommen.

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